Kapitel 10 finanzen

Riester-Rente kündigen: Das passiert mit deinem Geld

· 8 Min. Lesezeit

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Wer seinen Riester-Vertrag kündigen möchte, steht vor einer Entscheidung, die auf den ersten Blick simpel wirkt – aber finanziell richtig teuer werden kann. Was passiert, wenn du die Riester-Rente kündigst, ist nämlich nicht nur ein bisschen Papierkram: Du musst mit der Rückforderung aller staatlichen Zulagen rechnen, verlierst deine Steuervorteile und bekommst oft deutlich weniger ausgezahlt, als du eingezahlt hast. Bevor du also den Kündigungsbrief absendest, lohnt sich ein genauer Blick auf die Folgen – und auf bessere Alternativen.

Die Riester-Rente vorzeitig beenden: Was passiert beim Kündigen?

Wenn du deinen Riester-Vertrag kündigst, löst du ihn vorzeitig auf. Das klingt erstmal nach Befreiung, hat aber einen entscheidenden Haken: Der Gesetzgeber nennt das eine schädliche Verwendung. Das ist kein moralisches Urteil, sondern ein Fachbegriff aus dem Altersvorsorgezulagenrecht — er bedeutet, dass du das geförderte Kapital nicht für den vorgesehenen Zweck (Altersvorsorge) verwendest.

Was genau passiert dann? In Kürze:

  • Die Zulagenstelle (ZfA) fordert alle staatlichen Zulagen zurück, die du je erhalten hast — Grundzulage, Kinderzulagen, Berufseinsteiger-Bonus.
  • Das Finanzamt setzt die Steuervorteile rückwirkend ab. Genossene Steuererstattungen werden mit der Auszahlung verrechnet oder direkt eingefordert.
  • Du erhältst nur den sogenannten Rückkaufswert — und der ist in den ersten Jahren oft schmerzlich gering.

Wichtig: Die Kündigung muss in der Regel schriftlich beim Anbieter (Versicherung, Bank oder Fondsgesellschaft) eingereicht werden. Eine Kündigungsfrist von drei Monaten zum Ende des Kalendervierteljahrs ist bei vielen klassischen Rentenversicherungen üblich — bei Banksparplänen und Fondspolicen können andere Fristen gelten. Es lohnt sich, den Vertrag oder das Produktinformationsblatt konkret nachzulesen.

Wer kurz vor dem Rentenalter steht (ab 60, bei neueren Verträgen ab 62), sollte unbedingt mit dem Anbieter sprechen — dort gibt es Auszahlungsoptionen, die keine schädliche Verwendung darstellen.

Die finanzielle Kehrseite: Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen

Hier wird es konkret. Nehmen wir ein realistisches Beispiel: Sandra, 42 Jahre alt, hat seit 15 Jahren einen Riester-Vertrag bespart. Sie hat jedes Jahr die Grundzulage von 175 Euro erhalten, dazu zwei Kinderzulagen à 300 Euro pro Jahr (für Kinder, die nach 2008 geboren wurden). Das ergibt:

  • Grundzulage: 15 × 175 € = 2.625 €
  • Kinderzulagen (2 Kinder, 15 Jahre): 15 × 600 € = 9.000 €
  • Summe staatliche Förderung: 11.625 €

Diese komplette Summe muss Sandra zurückzahlen, wenn sie kündigt. Die Zulagenrückforderung erfolgt automatisch über die Zulagenstelle — der Anbieter zieht den Betrag direkt vom Auszahlungsbetrag ab, bevor das Geld bei ihr ankommt.

Zusätzlich greift das Finanzamt: Wer seine Riester-Beiträge über den Sonderausgabenabzug (bis zu 2.100 Euro pro Jahr) steuerlich geltend gemacht hat, muss die erhaltenen Steuererstattungen nachversteuern. In der Praxis läuft das so, dass die Auszahlung als sonstige Einkünfte im Jahr der Auszahlung voll versteuert wird. Bei einem zu versteuernden Einkommen von 35.000 Euro kann das schnell bedeuten, dass 20–25 Prozent der Auszahlung ans Finanzamt gehen.

Durchschnittliche staatliche Förderung bei Riester: Wer 20 Jahre lang förderberechtigt anspart und zwei Kinder hat, kommt auf Zulagen von über 15.000 Euro — plus Steuererstattungen je nach Einkommen. All das wird bei einer Kündigung zurückgefordert.

Was bleibt, sind deine eigenen Beiträge — abzüglich der Verwaltungskosten und Abschlussgebühren. Aber auch hier lauert ein Haken: Gesetzlich haben Riester-Verträge zwar eine Kapitalerhaltungsgarantie, d.h. zu Rentenbeginn muss mindestens das eingezahlte Kapital (eigene Beiträge + Zulagen) zur Verfügung stehen. Bei einer vorzeitigen Kündigung gilt diese Garantie jedoch nicht. In den ersten Jahren eines Vertrags ist es daher gut möglich, dass du weniger zurückbekommst als du selbst eingezahlt hast — weil die Abschlusskosten in den Anfangsjahren überproportional verrechnet werden.

Wenn du wissen möchtest, ob sich eine Steuererstattung in deinem Fall gelohnt hat, kann dir der Artikel zu den Steuervorteilen in der Steuererklärung weiterhelfen.

Rückkaufswert und Gebühren: Wie viel Geld bleibt am Ende übrig?

Der Rückkaufswert ist der Betrag, den du tatsächlich ausgezahlt bekommst — nach Abzug aller Kosten und vor Abzug der Zulagenrückforderung. Bei klassischen Riester-Rentenversicherungen ist er besonders in den ersten 5 bis 10 Jahren oft niedrig, weil die Abschlusskosten in diesem Zeitraum “verteilt” werden (das nennt sich das Zillmerungsverfahren).

Was konkret abgezogen werden kann:

  1. Abschlusskosten: Provisionen und Verwaltungsgebühren, die beim Vertragsabschluss entstanden sind. Sie werden auf die ersten Jahre umgelegt und können 3–4 Prozent der gesamten Vertragslaufzeit-Beiträge ausmachen.
  2. Laufende Verwaltungskosten: Jährliche Gebühren für Depotführung, Fondsmanagement etc.
  3. Stornogebühren: Einige Anbieter verlangen eine zusätzliche Gebühr bei vorzeitiger Auflösung.
  4. Zulagenrückforderung: Wird direkt vom Rückkaufswert einbehalten.
  5. Steuerabzug: Je nach Auszahlungshöhe und persönlichem Steuersatz.

In der Praxis kann es passieren, dass von einem angesparten Kapital von 8.000 Euro nach allen Abzügen weniger als 5.000 Euro übrig bleiben. Wer seinen Vertrag also nach wenigen Jahren kündigt, macht fast zwangsläufig ein schlechtes Geschäft.

Anders sieht es aus, wenn der Vertrag schon seit 20 Jahren läuft: Hier ist der Großteil der Abschlusskosten längst abbezahlt, das Kapital hat gewachsen, und die Differenz zwischen eingezahltem Kapital und Rückkaufswert fällt deutlich kleiner aus. Trotzdem: Die Zulagenrückforderung trifft alle gleich, unabhängig von der Vertragslaufzeit.

Wer sich allgemein fragt, welche finanziellen Absicherungen wirklich nötig sind, findet in unserem Überblick zu Versicherungen für Hausbesitzer hilfreiche Orientierung.

Bei einer Riester-Kündigung zahlt man nicht nur auf Zukunft verzichtet — man zahlt oft auch für die Vergangenheit.

Bessere Alternativen zur Kündigung: Beitragsfrei stellen oder Anbieterwechsel

Bevor du kündigst, gibt es zwei Wege, die in den meisten Situationen klüger sind: die Beitragsfreistellung und den Anbieterwechsel.

Riester-Rente beitragsfrei stellen

Wenn du gerade kein Geld für die monatlichen Beiträge übrig hast, kannst du deinen Riester-Vertrag beitragsfrei stellen. Das bedeutet: Du zahlst nichts mehr ein, aber der Vertrag bleibt bestehen. Das angesparte Kapital bleibt erhalten und wird weiter verzinst oder im Fondsdepot investiert.

Der entscheidende Unterschied zur Kündigung: Keine schädliche Verwendung, keine Rückforderung der Zulagen. Die Förderung, die du bis jetzt erhalten hast, darf dir behalten werden. Der Nachteil: Du erhältst in Jahren ohne Mindestbeitrag (4 Prozent des Vorjahreseinkommens, mindestens 60 Euro) keine neuen Zulagen mehr — aber du verlierst auch nichts.

Wer später wieder Luft im Budget hat, kann jederzeit die Einzahlungen wieder aufnehmen und neue Zulagen beantragen. Das ist deutlich flexibler als eine Kündigung.

Anbieterwechsel: Den schlechten Vertrag loswerden, ohne die Förderung zu verlieren

Viele Menschen möchten kündigen, weil ihr aktueller Anbieter zu hohe Gebühren verlangt oder schlechte Renditen erzielt. Das ist ein verständlicher Wunsch — aber eine Kündigung ist der falsche Weg.

Der richtige Weg heißt Anbieterwechsel. Du kannst deinen gesamten Riester-Vertrag zu einem anderen Anbieter übertragen lassen. Das angesparte Kapital (inkl. Zulagen) wird übertragen, ohne dass eine schädliche Verwendung entsteht. Allerdings können Übertragungsgebühren anfallen, und manche Anbieter verlangen bis zu 150 Euro für den Wechsel. Langfristig lohnt er sich trotzdem, wenn der neue Anbieter deutlich günstiger ist.

Gute Alternativen zu klassischen Rentenversicherungen sind heute günstige ETF-basierte Riester-Fondssparpläne. Diese haben deutlich niedrigere Kosten und können über 20–30 Jahre einen erheblichen Renditeunterschied ausmachen.

Ein Blick darauf, was sich steuerlich noch optimieren lässt, lohnt sich übrigens generell — der Artikel dazu, was man von der Steuer absetzen kann, gibt einen guten Überblick.

Fazit: Wann ist eine Kündigung der Riester-Rente wirklich sinnvoll?

Ehrliche Antwort: Selten. Eine Kündigung des Riester-Vertrags ist fast immer der teuerste Ausweg. Du verlierst alle staatlichen Zulagen, bezahlst die Steuervorteile zurück und bekommst oft weniger als du eingezahlt hast.

Es gibt aber Situationen, in denen eine Kündigung trotzdem die beste Option ist:

  • Du steckst in einer ernsthaften Notlage und brauchst das Kapital akut.
  • Der Vertrag läuft schon sehr lang, die Abschlusskosten sind längst abbezahlt, und der Rückkaufswert liegt deutlich über der Summe der Zulagen — du kannst also trotz Rückforderung noch etwas “retten”.
  • Du hast festgestellt, dass du dauerhaft nicht mehr förderberechtigt bist (z.B. weil du ins Ausland ziehst und keine deutschen Rentenversicherungspflichten mehr hast).

In allen anderen Fällen gilt: Erst beitragsfrei stellen, dann in Ruhe über einen Anbieterwechsel nachdenken. Hol dir im Zweifelsfall eine unabhängige Beratung — zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale, die das ohne Provisionsinteresse begleiten kann.

Die Riester-Rente hat ihre Schwächen — aber eine schlecht durchdachte Kündigung macht sie noch schwächer.

Häufige Fragen (FAQ)

Häufige Fragen

Was passiert mit meinen eingezahlten Beiträgen bei einer Kündigung?
Deine eigenen Beiträge bekommst du grundsätzlich zurück – allerdings nach Abzug von Abschlusskosten, Verwaltungsgebühren und eventuellen Stornogebühren. In den ersten Jahren kann der Rückkaufswert sogar unter der Summe deiner Einzahlungen liegen. Die staatlichen Zulagen hingegen werden vollständig zurückgefordert.
Muss ich die staatlichen Zulagen bei einer Kündigung komplett zurückzahlen?
Ja, alle je erhaltenen Zulagen – Grundzulage (175 Euro pro Jahr), Kinderzulagen und den Berufseinsteiger-Bonus – werden bei einer Kündigung vollständig zurückgefordert. Der Anbieter zieht diesen Betrag direkt vom Auszahlungsbetrag ab, bevor du das Geld erhältst.
Wie lange dauert es, bis das Geld nach der Riester-Kündigung ausgezahlt wird?
Nach Eingang der schriftlichen Kündigung und Ablauf der Kündigungsfrist dauert die Auszahlung je nach Anbieter zwischen zwei und acht Wochen. Versicherungen brauchen oft länger als Banksparpläne. Die Zulagenrückforderung wird dabei direkt verrechnet, sodass du den Restbetrag auf einmal erhältst.
Gibt es eine Kündigungsfrist für den Riester-Vertrag?
Bei klassischen Riester-Rentenversicherungen gilt meist eine Kündigungsfrist von drei Monaten zum Ende eines Kalendervierteljahres. Bei Banksparplänen und Fondspolicen können kürzere oder abweichende Fristen gelten. Den genauen Zeitraum findest du in deinem Vertrag oder im Produktinformationsblatt.
Kann ich die Kündigung der Riester-Rente rückgängig machen?
Das hängt vom Anbieter ab. Manche Versicherungen erlauben einen Widerruf innerhalb einer kurzen Frist nach Eingang der Kündigung. Ist die Kündigung jedoch vertraglich wirksam und das Kapital bereits ausgezahlt, lässt sie sich in der Regel nicht mehr rückgängig machen. Im Zweifel schnell beim Anbieter anrufen.
Was ist der Unterschied zwischen Kündigen und Beitragsfrei stellen?
Bei der Kündigung wird der Vertrag komplett aufgelöst: Du erhältst eine Auszahlung, musst aber alle Zulagen und Steuervorteile zurückgeben. Bei der Beitragsfreistellung läuft der Vertrag weiter, du zahlst nur nichts mehr ein. Das Kapital bleibt erhalten, die bisherigen Zulagen bleiben dir, und du kannst die Einzahlungen später wieder aufnehmen.